Die Festung Ebersberg ist das einzige Festungswerk im Kanton Zürich; es befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Berg am Irchel (1), (2). Die Anlage liegt in einer mächtigen Sandsteinschicht des Ebersbergs. Diesen Hügelzug findet man nördlich des Irchels, direkt am linken Rheinufer, gegenüber von Rüdlingen SH. Das Eingangswerk der Festung ist unter einem Tarnbau am Südhang des Ebersbergs versteckt. Es liegt auf der Höhe 456 m, seine genauen Koordinaten sind: 685`865/269`515. Im steilen Nordhang, der zum Rhein abfällt, befinden sich drei Schiess- und Beobachterstände.
Die Festung wurde unter der militärischen Bezeichnung "Artilleriewerk Rüdlingen" mit der Nummer A5438 geführt, auch der Begriff "Artilleriewerk Ebersberg" wird manchmal genannt.
Die Anlage entstand im Zeitraum 1938/40. Fast alles war Handarbeit, als Hilfsmittel standen nur Luftdruckhämmer und Sprengstoff zur Verfügung. Je nach Stand der Arbeit waren 80 bis 140 Arbeiter beschäftigt, es wurde in zwei Schichten gearbeitet.
Die beiden Schiessstände waren mit je einer Artillerie-Bunkerkanone des Kalibers 7,5 cm ausgerüstet. Die Geschütze hatten die Aufgabe, feindliche Truppen am Überqueren des Rheins zu hindern oder doch wenigstens für eine bestimmte Zeit aufzuhalten. Der Wirkungsbereich der Kanonen reichte von Rüdlingen bis Schaffhausen. Jedes der beiden halbautomatischen Geschütze konnte pro Minute 20 Granaten abfeuern, eine beeindruckende Leistung zur damaligen Zeit!
Indirekt gehörte das Infanteriewerk (IW) am Fuss des Ebersbergs, ausgerüstet mit einer Infanteriekanone, auch zum Artilleriewerk. Der MG-Bunker "Ziegelhütte" konnte den beiden Werken Schartenschutz geben und vom IW solchen erhalten.
An der Nordgrenze der Schweiz entstanden neben der Festung Ebersberg etwa zur gleichen Zeit zwei ähnliche Werke; sie waren ebenfalls mit zwei Kanonen bewaffnet. Diese Werke befinden sich in Reuenthal AG und in Heldsberg SG.
Das Artilleriewerk Rüdlingen ist eine "richtige" Festung , wie sie z.B. im Gotthardgebiet, im Rheintal und im Wallis gebaut wurden; im Ebersberg ist einfach alles etwas kleiner.
Im Plan (12) erkennt man die folgenden Einrichtungen:
- Das Eingangswerk mit dem Wachtlokal - Die Innenverteidigung und eine Kaverne mit dem Feinstaubfilter, auch Atomfilter genannt. - Den Schacht für die Zufuhr der Frischluft, er hat eine Tiefe von etwa 30 Metern. - Die Energiezentrale mit zwei Dieselaggregaten, der Lüftungsanlage und einer Werkstatt. - Der zweigeschossige Mannschatstrakt mit Küche, Vorratsraum, Essräumen, Sanitäranlagen, Arzt- und Krankenzimmer, Schlafräumen, Feuerleitstelle, Telefonzentrale und Kompaniebüro. - Das Munitionsmagazin - Den Beobachterstand mit Notausgang, einen Schiessstand und einen kombinierten Beobachter- Schiessstand.
Bei einem Gefechtseinsatz war die Festung mit etwa 65 Soldaten, Unteroffizieren und Offizieren besetzt, der damaligen Fest. Art. KP 96. Die Vorräte an Trinkwasser, Nahrung, Treibstoff für die Notstrom-Dieselmotoren und Munition waren für eine zehntägige Autonomie ausgelegt.
1978 wurden die Kanonen ausgebaut, sie genügten den neuen Anforderungen nicht mehr. Das Werk wurde, bis zur Entklassifizierung im April 2003, jedoch noch für andere militärische Zwecke genutzt. Im Mai 2003 hatte die breite Öffentlichkeit erstmals die Gelegenheit, einen Blick ins Innere der bis anhin hochgeheimen Anlage zu werfen.
2006 trat die Militärbehörde die Festung an die Standortgemeinde Berg am Irchel ab, die sie ihrerseits mit einem langfristigen Vertag an die Militärhistorische Stiftung des Kantons Zürich übergab. Es ist nicht die Absicht der Stiftung, aus der Festung ein weiteres Museum zu machen, diese Aufgabe erfüllen Reuenthal und Heldsberg. Das Werk soll - möglichst im Originalzustand - der Nachwelt erhalten werden. Öffentliche Besichtigungen sind vorgesehen. Auskünfte über die Möglichkeit von Führungen sind bei der Stiftung zu erfahren.
Die Festung befindet sich noch immer in ihrem sehr guten Originalzustand. Die Lüftung ist noch betriebsfähig; auf Knopfdruck springen die beiden Dieselmotoren an erzeugen eigenen Strom. In der Werkstatt ist das ursprüngliche Werkzeug noch lückenlos und in einwandfreiem Zustand vorhanden. Die Gewehrrechen stehen noch im Hauptstollen, man wäre nicht erstaunt , wenn die Mannschaft mit dröhnenden Schritten einrücken würde!
In der Festung Ebersberg hat man nicht gegen den Bergwasserdruck zu kämpfen, sie ist dank des Sandsteins weitgehend trocken. Man sieht kaum Schäden, die durch Feuchtigkeit entstanden sind. Die Leitungen für Strom und Abwasser sind noch intakt. Der Amtsanschluss des Telefons ist noch aktiv. Eigenes Brauchwasser ist in der Festung verfügbar, die Trinkwasserleitung wird von der Eigentümerin noch saniert.
Im Text verwendete Akürzungen: Stgw. Sturmgewehr 57. Lmg. Leichtes Maschinegewehr. Ik. 4.7 cm Infanteriekanone. IW. Infanteriewerk.
Die Artilleriewerke (7,5 cm ) Ebersberg (ZH) Reuenthal (AG) Heldsberg (SG) und Geissberg (AG),waren die einzigen grenznahen Artilleriewerke. (Irrtum vorbehalten)
Wo befindet sich der Ebersberg?
1 ) Übersichtsplan Zürich-Schaffhausen. AUT
2 ) Übersichtsplan Ebersberg und Umgebung. AUT
Wie sieht der Ebersberg aus?
3 ) Der Ebersberg, von der Strasse Berg - Teufen gegen den Ebersberg. AUT
4 ) Der Ebersberg aus Osten, Zeichnung. BRS
Pläne der Festung.
5 ) Aufriss des Eingangswerks. BAR
6 ) Lüftungskamin, fast 30 Meter hoch. BAR
7 ) Aufriss des Standes S2. BAR
8 ) Grundriss des Beobachterstandes. BAR
9 ) Grundriss des kombinierten Standes S3. BAR
10 ) Grundriss des Standes S1 mit Notausgang. BAR
11 ) Beobachterstand, Grundriss. BAR
12 ) Plan der Stollen und Kavernen. BAR
13 ) Längsprofil vom Eingangswerk bis zum Stand S2. BAR
Bauphase.
14 ) Mannschaftstrakt, betonieren der Wände. BAR
15 ) Einer der Wochenrapporte. BAR
16 ) Ein Handlanger verdiente pro Stunde 1 Franken. BAR
17 ) Der Mannschaftstrakt ist zweistöckig in das Gewölbe eingebaut. BAR
18 ) Massive Wände bei den Stollen. BAR
19 ) Transportanlagen am Nordhang für Aushub und Betonzufuhr. BAR
20 ) Strasse zum Ebersberg (Fahrverbot), nach links die Abzweigung zur Festung.
21 ) Die bekannten Verbotstafeln.
Vor der Festung.
22 ) Der Vorplatz, die Baracken und das Hindernis stehen noch nicht. (Historische Aufnahme aus dem Aktivdienst.) ISL
23 ) Vorplatz der Festung mit Materialbaracken heute. ( Foto 2004 )
In der Festung.
24 ) Der Eingang zur Festung. ( Der Tarnbau wurde erst später gebaut. )
25 ) Eingangsstollen.
26 ) Blick aus dem Tarnbau durch das geöffnete Festungstor in das Eingangswerk.
27 ) Schiessscharte der Innenverteidigung. Der Eingangsstollen bis zum Tor konnte im Schutz der Panzerplatte mit Lmg, später mit dem Sturmgewehr unter Beschuss genommen werden. Der Schütze befand sich im Raum hinter der Scharte.
28 ) Die Stollen haben eine einheitliche Breite (1.80 m) und Höhe (2.25 m). AUT
29 ) Pritschen für die Wachtmannschaft.
30 ) Die Lufdichte Türe des Stollens, der zum Luftansaug-Kamin führt.
31 ) Duschen.
32 ) Das Badezimmer des Karankenzimmers. Hier wurden Patienten, die mit chemischen kampfstoffen in berührung kamen, Gewaschen
33 ) Der Waschraum.
34 ) Die Mannschaftsunterkunft.
35 ) Mannschaftsunterkunft.
36 ) Treppe zum Obergeschoss.
Untergeschoss: - Arztzimmer, Untersuchungsraum - Krankenzimmer für einige Patienten - Badezimmer für die Patienten - Waschraum - Essraum der Offiziere - Essraum für die Unteroffiziere und Soldaten - Proviantraum, Vorratsraum - Küche, darunter das Trinkwasserreservoir - WC der Soldaten, darunter die Klärgrube
Obergeschoss: - Feuerleitstelle (Arbeitsraum der Offiziere) - Schlafraum der Unteroffiziere (10 Mann) - Kompanie-Büro (1 Schlafplatz) - Telefonkabine für Privatgespräche - Telefonzentrale (1 Schlafplatz) - Arbeitsraum des Kommandanten - Schlafraum der Offiziere (4 Mann) - Schlafraum der Soldaten (46 Mann) - WC der Offiziere - Magazin - Bibliothek
Total waren 66 Schlafplätze vorhanden, 4 davon im Wachtlokal. Jeder Soldat hatte sein eigenes Bett !
Quelle: Die Festung Ebersberg von Walter Schmid
37 ) Die Telefonzentrale in der Festung, damals topmodern. AUT
38 ) Die Küche.
39 ) Vorratslager mit diversen Küchengeräten.
40 ) Der Geschirrschrank mit "Eidgenössischem" Geschirr. AUT
41) Hauptstollen.
42 ) Die Werkstatt ist immer noch mit dem Original-Werkzeug ausgerüstet.
43 ) Energiezentrale: Aus diesem Raum werden die technischen Anlagen der Festung mit elektrischer Energie versorgt.
44 ) Eines der beiden Notstromaggregate. Um im Notfall über eigenen Strom zu verfügen, sind zwei Dieselaggregate vorhanden. Die Zweitakt-Dieselmotoren vom Typ "ZG" , lieferte die Firma Sulzer, Winterthur. Jeder leistet 85 PS bei 1000 U/min. Ein Aggregat konnte 63 KVA elektrische Leistung abgeben.
45 ) Blick in die Energiezentrale. Links die Luftfilter. Die Filter kann man sich als riesige Gasmaske vorstellen. Die angesaugte Frischluft wird von giftigen Kampfgasen und (radioaktivem) Staub befreit und mit Gebläsen weitergeleitet. AUT
46 ) Riesige Filtereinheiten entgifteten die angesaugte Luft. AUT
47 ) Schleuse.
48 ) Die Original-Petrollaternen für die Notbeleuchtung. AUT
49 ) Materialmagazin. Hier hätte man im Ernstfall die Toten, in mit Sand gefüllten Särgen, "gelagert",bis man sie hätte Ordentlich Bestatten können.
50 ) Hier waren die Granaten eingelagert. Sie wurden mit Munitionskarren zu den Geschützen gebracht. Die Granaten waren auch in Friedenszeiten in der Festung deponiert, 1981 wurden sie weggeschafft. Die verschossenen Granaten hatten ein Gewicht von ca.8,5 kg. Sie waren auf einer Hülse aufgesetzt, in welcher sich die Treibladung befand, genau wie bei der Gewehrmunition. Es standen mehrere Typen von Granaten mit verschiedenen Zünderarten. zur Verfügung.
51 ) Technische Unterlagen zur Bunkerkanone 1938.
52 ) So muss es im Kampfstand einmal ausgesehen haben, als die Geschütze noch eingebaut wahren.(Foto aus dem Festungsmuseum-Fürigen)
53 ) Heutige Ansicht. Leider wurden die Geschütze 1978 ausgebaut. Die Festung war ursprünglich mit zwei Bunkerkanonen des Kalibers 7,5 cm ausgerüstet.
54 ) Der Beobachterstand. Hier sass der Beobachter vor dem Fernrohr.
Das Infanteriehindernis. (Stacheldrahtverhau)
55 ) Die Ausdehnung des Infanteriehindernisses. AUT
55 ) Die Ausdehnung des Hindernisses im Grundbuchplan eingetragen. AUT
56 ) Der Hindernis-Bautrupp ca. 1943. ISL
57 ) Flugaufnahme Eingangswerk mit Hindernis, 1993. ARV
58 ) Das Infanteriehindernis, Stacheldrahtverhau, Blick gegen Osten. ISL
Die ehemaligen Kommandanten der Festung.
59 ) 1. Kommandant Fritz Isler, 1942-1950 KDT
60 ) 2. Kommandant Arnold Luthiger, 1951-1957 KDT
61 ) 3. Kommandant Ernst Grob, 1958-1966 KDT
62 ) 4. Kommandant Hans U. Steiner, 1967-1975 KDT
63 ) 5. Kommandant Arthur Guebeli, 1976-1977 KDT
Historische Aufnahmen aus dem Aktivdienst.
64 ) Aushubarbeiten für das Eingangswerk, alles ist Handarbeit. WAL
65 ) Die Festungsmusik, bestehend aus 6 Blechbläsern. ISL
66 ) Gruppe vor der Festung, der Tarnbau steht noch nicht. ISL
67 ) Pfeifenraucher, Aufnahme für den Sponsor, "Tabac 24 Weber". ISL
68 ) Der Vorplatz, die Baracken und das Hindernis stehen noch nicht. ISL
69 ) Die Küchenmannschaft mit Milchkannen aus Berg. ISL
Diverses.
70 ) Der Tarnbau, Sicht auf die Westseite. AUT
71 ) Die Wege und Treppen am Nordhang zerfallen unaufhaltsam AUT
Literatur
Im Bundesarchiv können die Dokumente und Pläne aus der Bauzeit eingesehen werden. Sie sind unter der Bezeichnung E-5481 1984/162 Bde. 8 - 12 zugänglich.
Zur Festung Ebersberg ist eine ausführliche Dokumentation erhältlich, siehe Shop. Bei speziellen Fragen richten Sie sich bitte an den Autor der Dokumentation, Walter Schmid, festung.ebersberg@swissonline.ch
Bildnachweis
ARV Amt für Raumordnung und Vermessung des Kantons Zürich AUT Walter Schmid BAR Dokument des Bundesarchivs in Bern: E-5481 1884/162 Bde 8-12 BRS Brigitte Rudolf Schmid ISL Familienalbum Fritz Isler, 1. Kommandant KDT Von den entsprechenden Kommandanten WAL Familienalbum Margrit Walder-Peter
Nun möchte ich mich noch ganz herzlich bei Walter Schmid, Autor der Dokumentation: " Die Festung Ebersberg", für seine freundliche Unterstützung bedanken.
72 ) Infanteriewerk Rüdlingen-Brücke Dieser Bunker gehörte zur Aussenverteidigung des Artilleriewerks. Ursprünglich plante man diesen mit der Festung zu verbinden, liess diese Idee jedoch wieder fallen, die Gründe sind nicht bekannt.
73 ) Infanteriebunker Rüdlingen-Brücke.
74 ) Scharte des LMG-Standes Rüdlingen-Brücke. Der Platz wahr sehr beengt ca. 1x1 m.
75 ) Durch diesen Pilz wurde die Frischluft angesogen.
76 ) Ebenfals der Luftansaug Pilz von einer anderen Seite.
77 ) Die zerfallene Schartentarnung.
78 )
79 )
80 )
81 ) Der Notausgang der Festung.
82 )
83 )
84 ) Mannschafts Unterstand.
85 ) Treppe in den Mannschaftsunterstand.
86 ) Ein weiterer Unterstand für die Aussenverteidiger.
87 ) Noch ein Unterstand.
88 ) Beobachterstand "Teufelskanzel".
99 ) Im Beobachtunsstand "Teufelskanzel".
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